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Arbeitszeugnis: Wann und wie es korrigiert wird

Eine Arbeitnehmerin forderte kürzlich gute Wünsche und Bedauern am Ende ihres Arbeitszeugnisses. Ohne Erfolg - das LAG Köln entschied, dass der Arbeitgeber ihr Arbeitszeugnis nicht berichtigen muss. Wir zeigen in einem Überblick, wann Beschäftigte Anspruch auf Zeugnisberichtigung haben.

Wenn Beschäftigte vom Arbeitgeber ein neues Arbeitszeugnis verlangen, kann das zwei Gründe haben: Entweder möchten sie die Zeugnisart wechseln, also von einem qualifizierten zu einem einfachen Zeugnis oder umgekehrt, oder sie möchten, dass der Zeugnisinhalt korrigiert wird.

Ob es möglich ist, die Zeugnisart zu wechseln, ist umstritten und es gibt zu dieser Frage auch keine gefestigte Rechtsprechung - entsprechende Fälle enden nämlich meist durch Vergleich. Teilweise wird der Anspruch von Arbeitnehmenden auf die neue Zeugnisart aufgrund der Fürsorgepflicht des Arbeitgebers anerkannt. Arbeitnehmende sind dann jedoch verpflichtet, das ursprüngliche Zeugnis Zug um Zug herauszugeben.

 

Der Arbeitgeber hat bei der Bewertung einen Beurteilungsspielraum

Was eine inhaltliche Korrektur betrifft, ist die Lage eindeutig: Ist ein Zeugnis inhaltlich falsch, kann und muss der Arbeitgeber es korrigieren. Selbstverständlich sind sowohl Schreibfehler und falsche Daten zu korrigieren als auch wesentliche Aufgaben hinzuzufügen, die vom Arbeitnehmenden bearbeitet wurden, die aber nicht aufgenommen wurden. Wenn ein transsexueller Beschäftigter seinen Vornamen und sein Geschlecht ändert, hat er einen Anspruch auf eine entsprechende Korrektur des Zeugnisses, selbst wenn die Änderung erst nach Ende des Arbeitsverhältnisses erfolgte. 

Während sich diese Angaben meist leicht nachprüfen lassen und eine Korrektur damit unkompliziert ist, ist es schon deutlicher schwieriger, die Korrektur einer unzutreffenden Leistungs- oder Verhaltensbeurteilung durchzusetzen. Das Bundesarbeitsgericht (BAG) geht nämlich davon aus, dass der Arbeitgeber einen Beurteilungsspielraum hat, der gerichtlich nur eingeschränkt überprüft werden kann.

Befriedigende Leistung ist der Durchschnitt

Zusätzlich tragen Beschäftigte die Beweislast: Wollen sie bescheinigt haben, dass ihre Leistung überdurchschnittlich war, müssen sie dafür Beweise erbringen. Der Arbeitgeber ist hingegen nur dann beweispflichtig, wenn er Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer unterdurchschnittlich bewerten will. Bei der arbeitsrechtlichen Leistungsbeurteilung gilt eine befriedigende Leistung, der Schulnote "drei" entsprechend, als Durchschnitt. Das gilt auch unter der Berücksichtigung von Studien, die herausfanden, dass fast 90 Prozent der untersuchten Zeugnisse den Schulnoten "sehr gut" und "gut" entsprechen.

Will der Arbeitgeber eine zuvor im Zwischenzeugnis erstellte Bewertung abändern, muss er beweisen, dass sich das Verhalten oder die Leistung der Mitarbeiterin seit der Ausstellung geändert haben. Schafft er dies nicht, ist er an den Inhalt des Zwischenzeugnisses gebunden.

Ein korrigiertes Zeugnis muss vordatiert werden

Ist der Arbeitgeber letztlich zur Korrektur des Arbeitszeugnisses verpflichtet, erfolgt diese Berichtigung natürlich nicht durch Ausbesserungen auf dem ursprünglichen Zeugnis. Vielmehr muss ein formgerechtes und inhaltlich überarbeitetes neues Zeugnis ausgestellt werden - datiert wie das ursprüngliche Zeugnis.

Bei Änderungen ist darauf zu achten, dass dadurch die Bewertung nicht schlechter wird als zuvor. Hat der Arbeitnehmer im Zwischenzeugnis keine Mängel gerügt, bedeutet das auch bei gleichem Wortlaut noch nicht, dass der Arbeitgeber mit einer Beanstandung nicht mehr zu rechnen braucht: Der Arbeitnehmer kann die gleichen Mängel auch erst im Endzeugnis vorbringen.

Auch der Arbeitgeber kann ein Zeugnis "widerrufen"

Während in den meisten Fällen Arbeitnehmende die Korrektur anstoßen werden, ist es natürlich nicht ausgeschlossen, dass auch ein Arbeitgeber einmal nicht mehr an einem Zeugnis festhalten will. Dabei ist zu beachten, dass das Arbeitszeugnis keine einseitige Willenserklärung des Arbeitgebers ist, sondern eine Leistung des Beschäftigten schildert. Aus diesem Grund kann das Zeugnis auch nicht einfach angefochten werden, sondern muss widerrufen werden.

Voraussetzung dafür ist einerseits, dass es sich um eine erhebliche Unrichtigkeit handelt und zum anderen, dass der Arbeitgeber erst nach Zeugniserteilung von den Umständen, die das Zeugnis falsch erscheinen lassen, erfahren hat. Eine Widerrufsfrist gibt es dabei nicht - es kann jedoch eine Verwirkung durch Zeitablauf eintreten, wenn es auf den Inhalt des Zeugnisses nicht mehr ankommt oder wenn der Arbeitgeber schon längere Zeit von der Unrichtigkeit wusste, es aber nicht für nötig hielt, diesen Zustand zu korrigieren.

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