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Corona: Depressionen und Suchtprobleme

Die psychischen Probleme von Mitarbeitern sind seit dem Ausbruch der Corona-Pandemie extrem gestiegen. Eine Auswertung von Mitarbeiterberatungen durch das Fürstenberg Institut zeigt: Immer mehr Beschäftigte leiden unter Depressionen oder greifen zu Suchtmitteln. Doch Unternehmen müssen nicht tatenlos zusehen.

Die wirtschaftlichen und organisatorischen Herausforderungen für Unternehmen durch Corona sind immens: Von jetzt auf gleich mussten im Frühjahr 2020 neue Arbeitsstrukturen geschaffen, dezentrales oder zeitlich versetztes Arbeiten für große Teile der Belegschaft ermöglicht und im schlimmsten Fall Kurzarbeit angemeldet oder eine Betriebsschließung ins Auge gefasst werden. Was dabei häufig übersehen wurde, wegen des hohen Impacts auf das unternehmerische Bestehen aber nicht vernachlässigt werden darf: Die mentale Stabilität der Mitarbeiter und damit ihre Leistungsfähigkeit.

Homeoffice: Konflikte mit Partner und Familie kochen schneller hoch

Das Fürstenberg Institut bietet Mitarbeiter- und Führungskräfteberatungen an. Rund ein Drittel aller Beratungen haben in den vergangenen neun Monaten Corona als expliziten Inhalt gehabt. "In unseren Beratungen zeigt sich seit Frühjahr 2020 - neben den durch Corona unmittelbar ausgelösten Fragestellungen und Themen wie finanzielle Probleme, Sorgen um ältere oder kranke Angehörige - eine Zunahme an Ängsten und Unsicherheiten," erklärt Geschäftsführerin Reinhild Fürstenberg. "Diese gehen damit einher, dass die Personen schlecht schlafen, körperliche Beschwerden haben und sich mental geschwächt fühlen. Konfliktthemen in Partnerschaft und Familie, die durch das enge Zusammensein im Homeoffice oder in der häuslichen Quarantäne schneller hochkochen, sind aktuell außerdem ein häufiger Beratungsanlass."

Depressionen und Suchtmittelmissbrauch nehmen durch Corona zu

Bei den Ratsuchenden zeigte sich von Anfang an, dass Corona nicht nur die körperliche Integrität betrifft, sondern sich sehr schnell in alle Bereiche des Alltags geschlichen hat. "Vielfach beschäftigten die Menschen der Umgang mit neuem, digitalem Stress, der fehlenden Abgrenzung zwischen Arbeitszeit und Feierabend im Homeoffice und natürlich mit dem Alleinsein", sagt Fürstenberg. "Was wir aber auf jeden Fall sehen, ist eine massive Zunahme an Depressionen und Suchtmittelmissbrauch."

Die Corona-Pandemie als Brennglas für schwelende Belastungen

Denn auch wenn Corona nicht immer explizit zur Sprache kommt oder als Ursache benannt wird, so ist die Pandemie doch ein "Brennglas" für vielfältige Herausforderungen in Job und Privatleben. Fehlende Ablenkung und die häusliche Enge verstärken schwelende Konflikte in der Partnerschaft oder im Team. "Vieles, was uns in den Beratungen an Sorgen, Ärger und Ängsten begegnet, war schon vor Corona da", so Fürstenberg.

Doch unabhängig davon, welche Probleme durch die coronabedingten Umstände zutage gefördert werden, die Themen werden schwerwiegender. "Mentale Belastungen können sich zu handfesten psychischen Problemen auswachsen. Wenn Unternehmen rechtzeitig und richtig auf Warnhinweise reagieren, können sie ihre Mitarbeiter schützen und lange Krankheitszeiten vermeiden."

Auch eine Forsa-Umfrage im Auftrag des Bundesarbeitsministeriums und des Forschungsinstituts IZA zeigt, wie stark die Ängste der Deutschen in der Corona-Krise gewachsen sind. Daten der Krankenkassen belegen zudem eine starke Zunahme von Depressionen. Danach fühlen sich nahezu 70 Prozent der Befragten emotional belastet, weil sie sich um die Gesundheit von Angehörigen sorgen. Die Mehrheit (55 Prozent) leidet zudem unter der Unsicherheit, wie es in den nächsten Monaten weitergeht.

"Lockdown light" verschärft psychische Belastungen von Mitarbeitern

Erhoben wurden die Ergebnisse zwischen Ende September und Anfang Oktober 2020, also vor der erneuten Verschärfung der Kontaktbeschränkungen. Die erneuten Maßnahmen hält Gesundheitswissenschaftlerin Fürstenberg trotz der medialen Zuschreibung als "Lockdown light" keinesfalls für weniger kritisch im Hinblick auf die psychische Belastung. "Die Erfahrungen aus dem Frühjahr machen es nicht leichter, sondern für viele sogar schwerer. Gepaart mit den Herausforderungen der dunklen Jahreszeit für die Psyche, hat die aktuelle Situation eine hohe Brisanz für die mentale Stabilität. Deswegen sollten Unternehmen - neben den organisatorischen Herausforderungen des zweiten Lockdowns - auf keinen Fall die psychische Stabilität ihrer Mitarbeitenden aus dem Blick verlieren."

Unternehmen können den Mitarbeitern aus der psychischen Krise helfen

Die gute Nachricht in der Krise: Viele Unternehmen machen schon jetzt viel richtig. Sie bieten beispielsweise Hilfen zur Selbsthilfe an - über Videos zur Förderung der Resilienz oder Online-Kurse. Auch die Krankenkassen bauen ihr Angebot für Versicherte aus und schaffen damit zusätzliche Entlastung für Unternehmen und Mitarbeiter. Auch lassen sich viele Herausforderungen der Corona-Krise unternehmensintern mit Hilfe von Führungskräften, Kollegen, Personalentwicklungsmaßnahmen und anderen internen Angeboten lösen.

Externe Mitarbeiterberatungen können den passenden Rahmen bieten

Doch mindestens genauso viele Themen gibt es, die die Mitarbeiter rein persönlich betreffen – und doch so vielfältige Auswirkungen auf das Unternehmen haben, beispielsweise durch nachlassende Leistungsfähigkeit und mehr Fehlzeiten der betroffenen Person. Fürstenberg rät: "Beobachten Führungskräfte Auffälligkeiten dieser Art, die auf mentale Belastungen schließen lassen, sollten sie ihren Mitarbeitenden einen Anstoß geben. Die Lösung muss der Mitarbeiter selbst finden, Unternehmen tun aber gut daran, wenn sie ihrer Belegschaft dafür einen Rahmen bereitstellen, in Form einer externen Mitarbeiterberatung." Über solche Beratungen, auch Employee Assistance Programme (EAP) genannt, werden Mitarbeitern anonym und über externe Dienstleister meist rund um die Uhr Beratung und Hilfe in Belastungssituationen geboten.

Das Fürstenberg Institut stellt seit Beginn der Pandemie selbst auch einen deutlich höheren Beratungsbedarf bei der externen Mitarbeiter- und Führungskräfteberatung fest, auch zahlreiche neue Kunden scheinen den akuten Bedarf erkannt zu haben. Fürstenberg warnt, den in diesen wirtschaftlich schwierigen Zeiten notwendigen Rotstift ausgerechnet bei Gesundheitsmaßnahmen anzusetzen: "Wer in schwierigen Zeiten an Mitarbeiterberatungen spart, tut das am falschen Ende. Denn insbesondere die engagierten, motivierten, zufriedenen und mental gesunden Mitarbeitenden werden Unternehmen, denen die Corona-Krise einen Dämpfer verpasst hat, wieder auf die Beine helfen."

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