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Gesundes Homeoffice – Probleme und Lösungen

Der Siegeszug des Homeoffice ist unaufhaltsam. Doch nach einem halben Jahr Arbeit zu Hause zeigen sich die ersten Schattenseiten in Form von gesundheitlichen Belastungen. Lesen Sie, was Arbeitgeber dazu beitragen können, um die Arbeit im Homeoffice produktiv und gesund zu gestalten.

Es scheint kein "zurück" mehr zu geben: Drei Viertel aller Arbeitnehmer, die seit der Corona-Krise erstmalig regelmäßig von zu Hause aus arbeiten, möchten ihre Arbeit auch weiterhin – zumindest teilweise – im Homeoffice erledigen. Das zeigt eine Sonderanalyse zum DAK-Gesundheitsreport, in der jeweils 7.000 Erwerbstätige vor und während der Pandemie befragt wurden. Was aber bei aller Euphorie nicht vergessen werden darf: ein Selbstläufer ist das Erfolgsmodell Homeoffice nicht. Auch wenn Arbeitnehmer im Homeoffice die größere Zeitsouveränität dank Wegfall des Arbeitswegs schätzen, lauern im Homeoffice kleine und größere Fallen für die Gesundheit.

Gesundes Homeoffice: was Arbeitgeber regeln müssen

Viele Unternehmen – und übrigens auch deren Arbeitnehmer – sind mit der plötzlichen Umstellung auf die Arbeit im Homeoffice überfordert, erklärt BGM-Experte Professor Volker Nürnberg. Sein Fazit aus der Beratung meist größerer Betriebe und Organisationen während des Lockdowns lautet: "Den meisten Unternehmen fehlt es an einheitlichen Konzepten und Strukturen, damit Mitarbeiter effizient von zu Hause arbeiten können." Er rät Arbeitgebern, die ihre Mitarbeiter auch längerfristig zumindest im Sinne eines hybriden Konzepts teilweise im Homeoffice arbeiten lassen wollen, einen "Homeoffice-Führerschein" einzuführen, sowohl für Führungskräfte als auch Mitarbeiter. Dieser sollte auf Grundlage des betrieblichen Gesundheitsmanagements die wichtigsten Aspekte berücksichtigen und regeln, die die Gesundheit der Mitarbeiter im Homeoffice beeinflussen.

Ergonomie im Homeoffice: das müssen Arbeitgeber wissen

Während im Büro meist dank Arbeitsschutzbeauftragten und BGM-Verantwortlichen die Höhe des Monitors oder der Bürostühle unter ergonomischen Gesichtspunkten ausgewählt und entsprechend eingestellt ist, ist dies in den eigenen vier Wänden in der Regel nicht der Fall. "Langfristig ist produktive Arbeit in den eigenen vier Wänden nur möglich, wenn aus den während der Pandemie für einen längeren Zeitraum geduldeten behelfsmäßigen Arbeitsplätzen echte Homeoffices werden", erklärt auch Hendrik Hund, Vorsitzender des Industrieverbands Büro und Arbeitswelten (IBA). "Es wird deshalb notwendig sein, über die Ausstattung der heimischen Arbeitsplätze gründlicher nachzudenken als bisher. Die Verantwortung dafür liegt bei den Unternehmen."

Die gesetzlichen Regelungen dafür sind gegeben: Das Arbeitsschutzgesetz (ArbSchG) sieht Gefährdungsbeurteilungen für die Arbeitsplätze der Mitarbeiter auch für mobiles Arbeiten im Homeoffice vor. Dazu Professor Nürnberg: "Dass das Arbeiten langfristig auf der Couch nicht produktiv, dafür aber gesundheitsschädlich ist, liegt nahe. Auch wenn keine ergonomische Büroausstattung vorhanden ist, sollte man darauf achten, dass eine gesunde Arbeitshaltung eingenommen wird." Doch auch die technische Ausstattung ist von enormer Bedeutung. So entlastet ein Bildschirm – inklusive Tastatur, Maus und Headset – vor allem den Nacken sowie die Augen und Handgelenke.

Homeoffice macht dick: Bewegungsmangel am heimischen Schreibtisch

Mitarbeiter im Homeoffice sitzen mehr. Der Wearables-Anbieter Fitbit sieht an seinen Geräten, dass sich die Deutschen seit Corona 20 Prozent weniger bewegen. Um dem entgegenzuwirken, erklärt Nürnberg, können bewegte Pausen im Freien, Telefongespräche im Gehen oder auch leichte Fitnessübungen für zu Hause eingeführt werden. Auch virtuelle Wettbewerbe wie Schritte- oder Radfahr-Challenges könnten für mehr Bewegung sorgen und – bei der Initiierung über das unternehmenseitige Intranet – auch gleichzeitig wieder das Teamgefühl innerhalb des Betriebs stärken. Viele Fitnessanbieter bieten in Corona-Zeiten auch digitale Kurse an – ideal zum Einstieg für die Unternehmen, perfekt für die Mitarbeiter am heimischen Bildschirm.

Ernährung im Homeoffice: Fertigpizza statt gesunder Kantine 

"Für viele Mitarbeiter ist es eine enorme Herausforderung, sich im Homeoffice gesund zu ernähren,“ konstatiert Nürnberg. Häufig würden die Mittagspausen ausgelassen, um Zeit zu sparen, oder es werde zu Fertiggerichten gegriffen. Daher sollte auf jeden Fall zunächst eine Sensibilisierung der Mitarbeiter erfolgen, indem zu festen Pausen und Mahlzeiten geraten werde. Einfache und schnelle Rezepte können unter anderem im Intranet veröffentlicht werden. Dort könnten auch Ernährungs-Apps eingesetzt werden, die schnelle gesunde Gerichte für die Mittagspause vorschlagen.

Work-Life-Balance im Homeoffice: Abgrenzung fällt schwer 

Gerade im Homeoffice fällt es häufig schwer, Berufliches und Privates zu trennen. Vor allem junge Mitarbeiter können kaum eine klare Grenze zwischen Beruf und Privatleben ziehen – es gelingt laut Sonderanalyse zum DAK-Gesundheitsreport nur jedem Zweiten unter 30 Jahren.

"Arbeitnehmer im Homeoffice verbringen mehr Zeit mit Arbeiten, als wenn sie ins Büro gehen", erklärt Nürnberg. Da die Übergänge zwischen Privat- und Berufsleben ohne räumliche Trennung oft fließend sind, müsse man manche Mitarbeiter auch vor sich selbst schützen. "Hier gilt es, den Königsweg zwischen größtmöglicher Zeitsouveränität der Mitarbeiter und einem gesundheitsbelastenden 'Always On' zu finden", so Nürnberg weiter. Er empfiehlt klare Vereinbarungen über die Arbeitszeit, gleichzeitig sollten Unternehmen und Mitarbeiter eindeutige Zeiträume bestimmen, in denen der Mitarbeiter nicht erreichbar ist.

Stress im Homeoffice

Zwar, so Nürnberg, sei die Flexibilität im Homeoffices ein revolutionärer Beitrag zur Vereinbarkeit von Familie und Beruf, trotzdem könnten gerade mangelnde Kinderbetreuung und Abgrenzungsprobleme im Einzelfall zu enormen Belastungen führen. Hinzu kommen Unsicherheiten aufgrund drohender Betriebsschließungen oder finanzieller Einbußen. Themen wie Entspannung und Achtsamkeit spielen daher eine große Rolle zur Steigerung des persönlichen Wohlbefindens. Entspannungsübungen können seiner Empfehlung nach helfen, Stress besser abzubauen, ebenso die Bereitstellung von Employee-Assistance-Angeboten.

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