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Präsentismus: Wenn Krankheit nicht vom Arbeiten abhält

Präsentismus ist ein weitverbreitetes Phänomen in der modernen Arbeitswelt. Für die Mehrheit der deutschen Arbeitnehmer scheint es normal zu sein, krank zur Arbeit zu gehen. Das kann aber nicht nur für den Arbeitnehmer negative gesundheitliche Konsequenzen haben, sondern auch hohe Kosten für den Arbeitgeber nach sich ziehen.

Präsentismus bedeutet, dass ein Mitarbeiter im Betrieb anwesend, aufgrund gesundheitlicher Probleme aber nicht voll leistungsfähig ist.

Präsentismus: Definition

Im unternehmerischen Kontext hat sich für Präsentismus die folgende Definition eingebürgert, die die Produktivitätsverluste mit einbezieht: "Präsentismus = Produktivitätsverluste bei anwesenden Mitarbeitern durch tatsächliche Gesundheitsprobleme." Maßstab für die Leistungsfähigkeit eines Mitarbeiters oder einer Mitarbeiterin ist dabei nicht eine hypothetische 100 %-Leistung, sondern seine oder ihre persönliche Normalleistung.

Bei diesen Gesundheitsproblemen handelt es sich um Gesundheitsprobleme, derentwegen man üblicherweise nicht zu Hause bleibt, z. B. Saison-Allergien, leichte Kopfschmerzen, schlechter Schlaf.

Betroffen sind aber auch Menschen, die krank sind und eigentlich zu Hause bleiben sollten, z. B. bei schwerer Erkältung, Grippe, Migräne. Diese Gruppe macht aber nur einen Teil des Präsentismus aus, der auch als Krankheits-Präsentismus bezeichnet wird.

Gründe für Präsentismus - Warum gehen viele krank zur Arbeit?

Gründe, warum kranke Menschen zur Arbeit kommen, können nach der INQA-Befragung "Was ist gute Arbeit?" sein:

  • Stärkere Ergebnis-Orientierung in den Unternehmen und dadurch höhere Selbstverantwortung der Mitarbeiter,
  • dünner werdende Personaldecke ("Stellvertreter-Sterben"),
  • man will die Kollegen nicht im Stich lassen,
  • es werden berufliche Nachteile im Hinblick auf eine Beförderung oder die Entlassung befürchtet, wenn man fehlt.

Produktivitätsverluste können auch durch andere Faktoren entstehen – arbeitsbedingte und private: Konflikte am Arbeitsplatz, zunehmende Arbeitsverdichtung, Unter- oder Überforderung, finanzielle oder familiäre Probleme usw.

Zwischen den Faktoren bestehen vielfach Wechselwirkungen. So können z. B. Konflikte am Arbeitsplatz zu Schlafproblemen führen, familiäre Probleme Stressreaktionen auslösen oder beruflichen Stress verstärken.

Kosten von Präsentismus

In den meisten Untersuchungen wird Präsentismus als ein Phänomen behandelt, das mit negativen Konsequenzen einhergeht. Sei es für die Beschäftigten die Präsentismus zeigen, für deren Arbeitgeber und auch für die Kollegen.

Insbesondere die kostenbezogene Diskussion von Präsentismus hat dabei viel Interesse erfahren, weil die durch Präsentismus entstehenden Kosten mindestens so hoch wie die Kosten durch krankheitsbedingte Fehlzeiten geschätzt werden. Die Auswirkungen von Präsentismus auf die Gesundheit zeigen sich im Kern darin, dass Präsentismus mit hoher Wahrscheinlichkeit zu späteren Beschwerden und Krankschreibungen führt und darüber hinaus die Arbeitsfähigkeit einschränkt.

Daneben werden aber noch weitere potenzielle Auswirkungen von Präsentismus diskutiert und diese betreffen die Unternehmen selbst. Bei präsenten Mitarbeitern, die beispielsweise an einer Erkältung oder Grippe leiden, besteht das Risiko einer Ansteckung, wodurch sich wiederum die Wahrscheinlichkeit erhöht, dass die angesteckten Kollegen krankheitsbedingt ausfallen.

Darüber hinaus können gesundheitliche Beeinträchtigungen auch negative Auswirkungen auf die Arbeitssicherheit haben, etwa dann, wenn sich aufgrund von Konzentrationsmängeln das Risiko von Arbeitsunfällen erhöht.

Präsentismus kann man messen

Um Präsentismus-Management möglichst effektiv und effizient gestalten zu können, sollte der erste Schritt eine Ist-Analyse der Gesundheitsprobleme sein, die die Leistungsfähigkeit in einem Unternehmen mindern und die Mitarbeiter am meisten belasten.

Erfassungsinstrument der Wahl ist die Befragung, online oder per Fragebogen. Sie ist einfach, kostengünstig und mit großen Beteiligungszahlen durchführbar – besonders einfach online. Selbstverständlich müssen die Befragungen anonym erfolgen und alle Datenschutz-Richtlinien berücksichtigt werden.

Bei einer Befragung werden Absentismus, Präsentismus und die Produktivitätsverluste erfasst. Es empfiehlt sich, den Beobachtungszeitraum nicht zu lang zu wählen. Je länger der Zeitraum, desto mehr verfälschen Erinnerungsfehler und -lücken das Ergebnis. Und das beginnt schon bei relativ kurzen Zeiträumen.

Sind Befragungsdaten zuverlässig? Dieser Zweifel ist berechtigt. Die Antwort lautet: erstaunlich zuverlässig! Das zeigen Kontroll-Untersuchungen mit objektiven Produktivitätsdaten.

Die Ist-Analyse ist in mehrfacher Hinsicht wertvoll:

  • Sie zeigt das Ausmaß an Präsentismus und Absentismus in diesem Unternehmen. Erst dann kann entschieden werden, ob Handlungsbedarf besteht und wie groß dieser ist.
  • Sie liefert Informationen, um Interventionen zu planen, die zielgenau die Gesundheitsprobleme der Mitarbeiter verbessern.
  • Die Ergebnisse der Analyse stellen auch die Vergleichswerte für die Evaluation dar, mit der Veränderungen durch die Intervention aufzeigt werden können.
  • Die Ist-Analyse ist erforderlich, um den Return on Invest (ROI) zu berechnen, das monetäre Ergebnis für das Unternehmen.

Präsentismus-Absentismus-Management lohnt sich

Auch in der Gesundheitsförderung ist die ökonomische Betrachtungsweise angekommen. Kennzahlen wie der ROI (Return on Invest) werden immer häufiger berechnet. Sie geben Unternehmen Gelegenheit, diese als Entscheidungskriterien für ihre Interventionen heranzuziehen. Beim Präsentismus-Absentismus-Management werden – unter sehr unterschiedlichen Bedingungen – ROIs zwischen 1:1 und 1:21 berichtet, d. h., für einen investierten Euro erhält das Unternehmen im letzten Fall 21 Euro zurück. Ein Return on Invest von 1:4 scheint auf jeden Fall realistisch zu sein.

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