Content Portlet (für Detailseite)

Voraussetzungen für eine berufliche Auszeit

Nur wenige Beschäftigte in Deutschland machen ein Sabbatjahr. Personalverantwortliche und Vorgesetzte stehen der Sache oft skeptisch gegenüber. Was zu beachten ist.

Wenn es um das Thema Sabbatical geht, lassen sich große Unterschiede zwischen Betriebsgrößen und Branchen feststellen: In Großbetrieben mit 500 und mehr Beschäftigten gibt es deutlich häufiger Sabbaticalangebote – meist zwischen drei Monaten und einem Jahr – als in kleinen und mittelständischen Unternehmen. Zudem ist so ein Angebot im öffentlichen Dienst öfter zu finden als im industriellen Sektor.

 

 

Langzeitkonten werden gerne für Sabbaticals genutzt

Grundlage für die Möglichkeit einer Auszeit ist häufig das Langzeitkonto. In Unternehmen, Einrichtungen und Organisationen, die ein Langzeitkontenmodell haben, werden die angesparten Stunden häufig für Sabbaticals, Familienzeiten oder zur Verkürzung der Lebensarbeitszeit und teilweise für Weiterbildungszeiten genutzt.

Jeder zweite würde gerne, doch nur wenige machen es

Jeder zweite Deutsche würde gerne ein Sabbatical machen, so ein Ergebnis einer Studie des Wissenschaftszentrums Berlin für Sozialforschung (WZB). Dass allerdings nur wenige – und dann eher Frauen – eine längere Auszeit vom Beruf nehmen liegt u. a.

  • am begrenzten betrieblichen Angebot,
  • an fehlenden zeitlichen und finanziellen Ressourcen aufseiten der Beschäftigten,
  • an der Unsicherheit hinsichtlich der weiteren Karrierechancen,
  • an der betrieblichen Arbeitsorganisation,
  • der geringen Unterstützung durch die Personalpolitik,
  • an fehlenden Vertrauensbeziehungen sowie
  • an der erhöhten Belastung der Work-Life-Balance durch lange Phasen der Mehrarbeit vorab.

Schaffung von Freiräumen für andere Aufgaben

Dass es vielen nicht um ein vollständiges Aussetzen der Arbeit, sondern um die Schaffung von Freiräumen für andere Aufgaben geht, belegt u. a. das in Belgien besonders beliebte Teilzeit-Sabbatical-Modell.

In Deutschland gibt es aktuell keinen Rechtsanspruch auf ein Sabbatical. Außerdem stehen viele Personalverantwortliche und Vorgesetzte der beruflichen Auszeit skeptisch gegenüber. Die Wissenschaftler der Studie Gesetzlich garantierte „Sabbaticals“ – ein Modell für Deutschland? - Argumente, Befunde und Erfahrungen aus anderen europäischen Ländern nennen in ihrem Bericht Voraussetzungen, wie gesetzlich geregelte Sabbaticals gerecht und zuverlässig funktionieren könnten:

  • Sabbatjahre müssten in der betrieblichen Praxis verankert sein.
  • Die Rückkehr auf den alten Arbeitsplatz müsste geregelt sein.
  • Vereinbarungen zur praktischen Umsetzung müssten vorhanden sein.
  • Arbeitslose mit passenden Qualifikationen sollten als befristeter Ersatz in die Betriebe vermittelt werden.
  • Die gesetzlichen Optionen müssten mit den bestehenden betrieblichen Ansparmodellen kombinierbar sein.
  • Eine zuverlässigere Kinderbetreuung müsste vorhanden sein, dass vor allem Frauen das Sabbatical nicht nur zur Betreuung ihre Kinder nutzen.
  • Es müssten Teilzeitoptionen mit Rückkehrmöglichkeit vereinbart werden.

Verwandte Dokumente